| Februar 2011 |
| Der Wrangelkiezwanderer - 2011 | |||
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Zweimal Schwarz und öfters bunt war meine Woche im liebsten aller Wrangelkieze. Kalt war es auch, aber mit den Blasen drin ist auch der Anblick des ewigen Eises abwechslungsreich.
Aber wenn die Sonne scheint, bekommt man schon Lust wieder draußen zu spielen.
Das erste Schwarz war das schönste der Woche. In einer bestimmt recht aufwändigen Aktion haben Unbekannte Dutzende schwarzer Luftballons mit Gas befüllt und am Görlitzer Teich angebunden. Ein beeindruckender Anblick, der nach dem 'warum' fragen lässt. Trauer scheint klar. Aber um den zerstörten Zaun? Oder um die verwüstete Bepflanzung? Oder um die verlorenen gegangene Zugänglichkeit des Teichs?
Der Zaun scheidet wohl aus - Die Ballons gab es auch am anderen Ufer.
Meine bevorzugte Lösung ist neben dem allgegenwärtigen Zufall folgende: Die mit Luftballons gekennzeichneten Stellen sind die, noch zusätzlich zum Renaturierungsvorschlag engagierter Bürger, versperrten Teichzugänge. Für mich ist das ein stiller Protest der Gutwilligen, die ihre Idee -von allen Seiten?!- missverstanden sehen. Besten Dank an die Ausführenden. Dass die Ballons den nächsten Tag nicht erlebten war ja klar.
Als Pigmente kamen hier Curry und Paprika zum Einsatz.
Fertig sah das würzige 'change' dann so aus. Am nächsten Tag war es noch etwas fertiger.
Die Buchstaben ergaben ein 'PLAY', das kurz an der Riesenrutsche aufgebaut wurde.
Dann blies eine harmlose Brise die Buchstaben um. Das erinnerte mich daran, das ich vor 20 Jahren auch dieses Problem mit dem Wind und den umfallenden Buchstaben hatte. Im Zimmer sah das Ganze so aus:
Da habe ich 'im Dienst der Kultur' ;)) 252 Dosen, also 84 Liter Koffeinbrause getrunken... ufff!
Falls ihr dies noch morgen lest - ich werde versuchen hinzugehen:
Das böse Schwarz zu Schluss: Ein Schwacher konnte der Versuchung nicht widerstehen und hat meine Lieblingskamera geklaut. Das ändert nichts an meinem Credo: Die Liebe wird siegen!. p.s. Ich möchte mich für die Anteilnahme und auch die Art der Anteilnahme recht herzlich bedanken! Bei allem Unglück ist das doch ein Umstand, der mich sehr bewegt und glücklich macht. ∗ ∗ ∗
21.-27.02.2011 Diesmal: Eiszeit im Wrangelkiez, eine Leserreaktion und die übliche Anhäufung frischer Fotos. Die Tage werden länger, aber ein kalter Wind hält die Freude daran klein.
"Der Wrangel-Kiezwanderer, der im blau erleuchteten Fenster der Katholischen Kirche ein "Fliegentod"-Symbol erkennt, hat entweder keine Ahnung von Kunst und/oder eine Aversion gegen Religion. Um diese These zu überprüfen, habe ich am Dienstagabend eine nicht repräsentative Spontanumfrage gemacht - doch davon später. Da ich nun wusste, dass ich ein Kunstwerk sah, konnte ich im Internet danach suchen. Titel und Künstler waren schnell gefunden; eine Beschreibung des Werks findet sich auch auf den Seiten des Künstlers nicht. Im Webarchiv des Erzbistums Berlin fand ich aber eine Antwort: "Am Freitag, den 31.März 2006, 20 Uhr, wird in der Kirche St.Marien-Liebfrauen (Kreuzberg) die Lichtinstallation „Blaues Marienlicht“ von Günter Ries eingeschaltet. Der Künstler hat das große Rundbogenfenster in der Fassade illuminiert. Es wird von innen blau durchleuchtet und strahlt in den dunklen Innenhof." Aha - nun zurück zu meiner Umfrage: Ich befragte 10 Personen im Alter zwischen ca. 20 und gut 70 Jahren. 6 Männer und 4 Frauen, vom Touristen bis zum Kiez- Urgestein gaben mir ihre Antworten. Ich begann ganz allgemein zu fragen (“Können Sie mir bitte sagen, was ich hier sehe?”) und wurde immer spezieller, bis ich meinen Gesprächspartnern das Wort ‘Kunst’ praktisch in den Mund gelegt hatte. Von diesen 10 Probanden wusste niemand was er da sah. Die Anworten waren ‘eine Kirche’, ‘die Liebfrauenkirche’, ‘ein Licht’ und ‘ich weiß es nicht’. Auf die Frage, ob dieses Licht etwas Besonderes sei, antworteten sie: ‘Nein- nur ein Licht’, ‘ich weiß es nicht’ und ‘ich weiß es nicht - ich habe das Licht nicht angeschaltet’. Als ich dann die Idee vom Kunstwerk in den Raum gestellt hatte, zog die Hälfte der Befragten diese Möglichkeit in Betracht. Die andere Hälfte vermochte auch nach Aufforderung nicht hier Kunst zu entdecken. Ein Befragter hatte aber eine potentiell hilfreiche Idee: Ich sollte im Aushangsbereich nach Informationen suchen - falls das Kunst sei, gibt es in der Gegend bestimmt eine Gebrauchsanweisung oder Info- Tafel.
In diesem Sinne: haltet die Augen offen, sehet, findet und freut euch daran - ihr seid nicht zu dumm, es zu verstehen! ∗ ∗ ∗
14.-20.02.2011 Der Vorfrühling im schönsten aller Wrangelkieze kommt auf erste Touren.
Keimblätter schieben sich durch das abgefallene Laub des Vorjahres, an manchen Ästen öffnen sich bereits die Knospen und die ersten Schneeglöckchen des Jahres zeigen sich. Noch dauert es zwei Monate, bis sich unsere Umwelt wieder im Blätterkleid zeigt.
Auch bei uns kommt das neue E10-Superbenzin in die Tankstellen. Bei den einen versteckt es sich noch hinter dem normalen Super - bei den anderen kostet es jetzt soviel wie die nächst höhere Qualitätsstufe 'Super Plus'. Das ist dreiste Abzocke und widerspricht völlig den Ankündigungen. Aber Autofahrer sind ja leicht zu melken.
Am Sonntag abend gegen 19:30 war es klar: Dieses Volksbegehren ist, im Gegensatz zur Vorhersage mancher Medien, im Sinne der Initiatoren entschieden. Beim inoffiziellen Endergebnis von 20:10 Uhr, hatten sich knapp 27,5% der Berliner zu 98,2% für den, zur Abstimmung vorliegenden Antrag, entschieden. Das sind letzendlich 27% der Abstimmungberechtigten. Bei uns in Friedrichshain-Kreuzberg war die Wahlbeteiligung, mit 27,2%, leicht unterdurchschnittlich. In Treptow-Köpenick war sie mit 33,3% die höchste in Berlin. Mitte war bei der Wahlbeteiligung mit 22,5% das Schlußlicht.
Das sollte man öfter sagen:
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08.-13.02.2011 Der Januar verabschiedete sich mit einer ungewöhnlichen Wetterkapriole. Im Am Abend war es schon merklich weniger, aber noch genug um mit Pocketkamera und Taschenlampe ein Detailfoto dieser Laune der Natur zu machen. Schaute man dort ein paar Tage später auf den Boden, sieht man schon die ersten wagemutigen Pflanzen ihre Keimblätter aus dem Boden schieben.
Der hier ist genug geflogen. Meine Suche nach alten Negativen von 2 verschwundenen Kunstwerken auf dem Görlitzer Platz war erfolglos... Von einem fand ich noch ein paar, eher grafische, Vergrößerungen. Das Werk bestand aus einer recht rohen Steinplatte, über deren Länge ein Wasserstrom floss. Der Strom entsprang einer Vertiefung in der Platte, die wie ein Negativ (ein Abdruck) eines stilisierten Hauses aussah. Kurz bevor der Wasserstrom den Stein verließ, umfloss er noch das Positiv des stilisierten Hauses. Wow- das steckte so voller Symbolik, das es einem Kunstmuffel wie mir als das klar beste Werk auf dem Platz in Erinnerung bleiben wird. Leider aber wurde es eines der ersten Opfer schwachsinniger Gewalt. So sieht es heute aus: Die Quelle im Stein:
So war es einmal:
So ist es heute:
Das Wasser fließt hier schon lange nicht mehr - womit ich beim letzten Thema bin: Wer Interesse am Wasser hat, es wömöglich als wichtiger als Erdöl empfindet, sollte am kommenden Wochenende an der Volksabstimmung teilnehmen. Wasser ist Leben und der Zugang zu Wasser ein Menschenrecht und keine Gelddruckmaschine für Profiteure. Informiert euch, wie die Privatisierung dieser Lebensgrundlage Menschen weltweit entwürdigt und geht massenhaft zur Wahl! In der Zeitung schreiben sie, dass sie anhand der angeforderten Briefwahlunterlagen, mit einer geringeren Wahlbeteiligung als bei der Abstimmung zum Fortbestand des Flughafens Tempelhof rechnen. Also, nicht hinterher weinen - sondern alle Bekannten informieren und die Vorhersage der Zeitung Lügen strafen!
p.s.: Dieses Plakat ist von den ostzonalen DKPlern. Manchmal machen die wohl mehr als Realsatire.
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