| März 2011 |
| Der Wrangelkiezwanderer - 2011 | |||
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Hurra, nun sind wir in der hellen Jahreshälfte angekommen. Die Frühlingsgefühle, die Vögel und die Besucher nehmen wieder Platz in unserem Leben. Am Anfang des Monats erlebte ich die ‘Stille Post’ in einer wirklichen Ausprägung: Nachdem ich zwei Tage hintereinander einen Schwan auf einer winzigen freien Fläche auf dem Teich, oder den Zaun entlang gehen sah, beschloss ich mich telefonisch kundig zu machen, wie man dem Tier helfen könne. Das hätte ich besser nicht getan: Aus meiner Anfrage wurde die Meldung, dass ein Schwan fest gefroren sei. Zur Rettung erschien ein großer Wagen des THW mitsamt seiner vielköpfigen Mann- und Frauschaft. Die waren verständlicherweise über das was sie sahen nicht so begeistert. Trotzdem nahmen sie sich der Sache professionell an. Wäre nicht ein Hund übers Eis zum Schwan geprescht, wären sie auch erfolgreich gewesen.
Mir war dieser Overkill eher peinlich, besonders als ich erfuhr, dass die Helfer vom THW das ehrenamtlich machen. Schön, dass es Menschen gibt, die ihre Freizeit dem Allgemeinwohl opfern - vielen Dank dafür!
Das Eis verschwand und noch vor den Touristen kamen die Vögel vorbei. Die Zugvögel kommen zu sehen, lässt alljährlich mein Herz höher schlagen. Auf Besucher ist man hier schon eingerichtet, nur musste das Wetter noch mitspielen.
Das tat es dann auch und immer mehr Stellen im Schönsten aller Wrangelkieze erhielten endlich ihre Sonnendröhnung.
Balkonplätze sind nicht nur bei Menschen beliebt. Auch die Vögel gehen jetzt auf Wohnungssuche.
Während dieser Neubau einen stolzen Bewohner hat, wurde das Ökohaus dieses Jahr wohl (wieder) verschmäht.
Einen besonderen Anblick erhaschte ich am Görlitzer Teich. Für das Kiezwanderer- Foto wählte ich einen Ausschnitt, der hauptsächlich den Vogel zeigt. Letztes Jahr schauten hier zwei Waldohreulen vorbei, heute war es ein Mäusebussard aus dem Treptower Park.
Neu im Görlitzer Teich: Die Oberfläche wird doch geteilt. Daraus schließe ich, dass auf der einen Hälfte des Teichs doch die vierbeinige Bevölkerung geduldet werden wird.
An einer anderen Stelle des Parks hatten Naturfreunde Pech mit dem Timing. Die auf den Reaktorunfall in Japan folgende Demonstration kreuzte sich kurzfristig mit der lang angekündigten Apfelbaum-Pflanz-Aktion. Schade - aber ich war auch auf der Demo.
Als das Wetter mitspielte kamen auch die Menschen ans Licht. Sogar die erste Apfelblüte zeigte sich.
Schön, dass darunter auch Kreative sind, die unsere Sinne erfreuen. Neben Musikern fiel mir auch ein Wollnetz auf, das mit bereitgestellten Worten behängt werden konnte.
Tja, Worte sind so eine Sache. Ob der Herr (kein Muttersprachler), die Bedeutung des flotten Spruchs auf seiner Jacke kennt? Und hat er vor es mit allen Kühen, oder nur mit alten Kühen zu machen? Auf jeden Fall gibt das eine Höchstwertung für Stilsicherheit. Punk mehr à la GG Allin denn als Crass, davon aber 100%.
Nun ein Anblick, der auf den ersten Blick gewöhnlich zu sein scheint. Aber dieses Pfauenauge hat den Winter - diesen Winter! - überlebt. So zerbrechlich und doch so hart. Ich hoffe, dass es sich heftig vermehren wird!
Zum Schluß noch ein Blick auf die, im letzten Kiezwanderer angekündigte Veranstaltung ‘Hilfe die Touris kommen’. Schön viele Anwohner und auch einige Reporter waren gekommen. Auch der größte Raum des Nachbarschaftshauses fasste nicht alle Interessierten.
Wirkliche Touristenfreunde waren nur wenige darunter. Die einen ärgerte der Lärm und der Schmutz, die anderen die langsame Umstrukturierung des Kiezes. Wir sehen ja, dass das Angebot auf den Straßen immer weiter auf Besucher hin ausgerichtet wird. Immer noch hoffen manche Leute vom großen Kuchen etwas abzubekommen und zahlen immer höhere Mieten.
Geschäfte, die den Einwohnern nutzen, werden dadurch verdrängt. Den Bewohnern droht das gleiche Schicksal. Die Umwandlung von Wohnraum in Ferienwohnraum - oder gleich in ein Hostel - ist ein weiterer Schritt auf dem Wege zur Auswechslung der Bevölkerung. Das alles sind wirklich berechtigte Sorgen, nur leider wurden sie so geäußert, dass das Echo in den Medien vernichtend war. Mir kam dazu dieses Plakat von 1999 in den Sinn:
Ich wohne schon lange hier und war doch unangenehm belustigt, als sich ein Jungbürger “wie im Zoo vorkam”. Sorry - Zoo war vor 25 Jahren. Da sind die Touris, wie im Safaripark, in Bussen hier durchgefahren worden - auszusteigen war viel zu exotisch. Heute sind wir bestenfalls ein Streichelzoo! Allerdings sind wir nun eine vom Aussterben bedrohte Art.
Viele Fragen wurden gestellt, aber die Antworten waren nicht befriedigend. Keiner vom Podium fand den momentanen Zustand gut, beeinflussen können sie ihn kaum und zu verantworten haben ihn andere. So war es kaum verwunderlich, dass sich der Saal nach einer Stunde zu leeren begann und zum Ende der Veranstaltung die Reihen gut gelichtet waren. Was nahm ich mit?
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